Live Review 630

Okidok, einmal wieder einer dieser Abende, wo man sich am besten zweiteilen sollte, sofern das möglich wäre. Zwei Photocalls werden gewünscht. Und Gott sei’s getrommelt und gepfiffen, finden beide Events einmal mehr – zwar in zwei Hallen, aber dafür im selben Gebäude statt. Das wiederum erleichtert die Sache um ein erhebliches, zumal es obendrein bei keinem der beiden Konzerte eine zeitliche Beschränkung in Sachen Fotoarbeit gibt. Die Holländer von Delain gastieren inklusiver zweiter Supportacts in der Backstage Halle, und Die Rockabilly Punker von Al & The Black Cats vergewaltigen ihren Kontrabass im kleineren Club daneben, das Ganze Gott sei Dank nicht exakt gleichzeitig. Und somit kommt kein Stress und keine Hektik auf nach dem Motto: alles hübsch der Reihe nach.

Al & The Black Cats


Showtime: ?



Den Auftakt machen in der sehr gut gefüllten Halle ( Anm. schätzungsweise ca. 500 Fans) die Engländer Lost in Thought.

Genauer definiert stammen die Progressive-Metaller aus dem schönen Wales (also nenn’ sie niemals Engländer, denn das ist eine Todsünde – sorry ‚bout that) Und erst vor ca. einem Monat hat das Quintett seinen Debüt Silberling ‚Opus Arise’  auf diesen Globus genudelt. Grund genug, um den Joker einem breiteren Publikum vorzustellen. Allerdings könnte ich jetzt nicht behaupten, dass hierbei irgendetwas mein besonderes Interesses geweckt hätte. Sagen wir mal so: sie sind engagiert und offensichtlich sehr motiviert, ihre Musik hier bei uns auf dem Kontinent einer breiten Masse vorzustellen. Ob und inwieweit ihnen das hinterher etwas bringt...na ja, Time will tell. Auf alle Fälle wird bei so manchem Headbanger zumindest der Name in Erinnerung bleiben. Weitere Infos zu Lost in Thought gibt’s auf deren official Website
http://www.lostinthoughtband.com/

Die zweite Runde an selbiger Stätte wird von Serenity aus dem schönen Tirol eröffnet.

Und die wiederum sind bereits ein Begriff in der Szene – ohne Frage. Meine Landsmänner gibt’s seit 2001, also immerhin auch schon 10 Jahre, und sie haben sich dem sogenannten symphonischen Powermetal verschrieben. Deren Diskographie weist immerhin inzwischen beachtliche fünf Veröffentlichungen auf. Das fängt bei Demos an bis zu vollen Alben. Und aus diesem Repertoire lässt sich recht munter schöpfen für eine volle Show. Serenity bestehen gegenwärtig aus Sänger Georg Neuhauser, Gitarrist Thomas Buchberger, Keyboarder Mario Hirzinger, Schlagzeuger Andreas Schipflinger und dem italienschen Bassisten Fabio D’Amore (was für ein Name:-)
Man merkt sofort, die Burschen zeigen eine sehr gesunde Professionalität und machen ihren Job nicht erst seit gestern. Für diese Tour haben sie sich auch noch die hübsche, ehemalige Xandria Sängerin Lisa Middelhauve mit in den Kutter geholt für einige wunderschöne Duetts inklusive ‚Fairytales’. Und so was kommt immer gut an, besonders wenn dann aus Eins - Zwei Schönheiten wird.

Geschöpft wird aus dem üppigen Fundus Serenity-eigener Arien (Anm. leider war bei keiner Band eine Setliste erhältlich) und die schöne Lisa setzt quasi das berühmte Sahnehäubchen auf unsere Tiroler Schlutzkrapfen. 

Das Resultat ist eine kurzweilige Hardrock Symphonie, ganz unter dem Slogan: "Death & Legacy" (erschienen im Feb.dieses Jahres) - und der Großteil der anwesenden Fanschar, flippt fast schon so impulsiv aus, wie später noch beim Headliner. Ich denke mal, dass es nicht mehr lange dauert, bis Serenity ihre eigene Europa- Club-Headliner-Tour  durchziehen. Zu wünschen wäre es ihnen auf alle Fälle.
PS: und das sag ich jetzt nicht nur, weil ich selbst auch aus Tirol bin, nur ums klar zu stellen :-))))))

http://www.serenity-band.com/




Ganz bis zum Schluss kann ich die Show von Serenity nicht verfolgen, denn der Club gegenüber ruft, wo Al & The Black Cat um 21.30 Uhr zum Appell blasen, und das in sehr düsterem Ambiente.

Um deutlich zu werden, dank des ultraschnellen Bewegungsablaufes des US-Trios und der konstanten Finsternis, ist ein fotografieren ohne Blitzlicht fast nicht möglich. Gegründet wurden The Black Cats bereits 1981, wobei alle drei Mitglieder zu jenem Zeitpunkt noch nicht mal geboren waren. Jawohl, Ihr habt richtig gehört! Außer Al himself, der gerade wacker auf die 60 zusteuert und verantwortlich zeichnet für die Existenz dieser Formation. Heute steht Al selbst nicht mehr da oben auf der Bühne, hält aber im Hintergrund immer noch die berüchtigten Fäden in der Hand. Als Chef der ‚Fabulous Rockabillies‘ gehörte er zu den ersten, die der Verheißung jenes Rockabilly-Revivals in den frühen Achtzigern erlagen, dass auch Ikonen wie die Stray Cats hervorbrachte.
Lange war es ja ganz still um Al und seine schwarzen Katzen. Aber vor ca. 5 Jahren feierten die Amis aus Michigan so etwas wie einen dritten Frühling. Und on Stage agieren heute Tony (Voc/Git), Hugh (Kontrabass/Voc) und man höre und staune – Arno am Schlagzeug. Und das klingt so gar nicht amerikanisch:-))  

Zugegeben, ein paar mehr Besucher hätten’s schon sein können heute Abend im Club. Aber die mageren 50 und ein paar Zerdrückte machen für so einiges wieder gut, was die explosive Stimmung hier drinnen angeht. Und dann legt das Trio los, als ob unser allerletztes Kaffeekränzchen angebrochen wäre, allerdings weniger mit Melitta Auslese als vielmehr mit Hochprozentigem und noch mehr Nytroglyzerin serviert. Mein lieber Schwan, hier drüben im Backstage Stüberl  geht der Punk mit Überschall-Speed ab, und zwar derartig krass, dass einem beim schnellen Wechsel nach drüben in die Halle fast schon ein laues Mailüftchen entgegenhaucht im Gegensatz zum momentanen Tornado hier im Club. Beim üblichen Bildbericht-erstatten heißt es aufpassen, damit man nicht schlichtweg überrannt wird. Jawohl ja, das ist Rockabilly-Punk von seiner besten Seite. Und der gute Tony verbraucht wahrscheinlich während so eines live on Stage Exzesses 10.000 Kalorieren, wenn nicht sogar mehr, inklusive Hochsprung Akrobatik.


Gut 45 Minuten kann ich das Feuerwerk im Bild und Gedächtnis festhalten, bevor ich erneut zum fliegenden Wechsel ansetzen muss, zurück in die Halle, wo der Headliner Delain in just diesem Moment zum Appell ruft. Aber ehrlich gestanden: hätt’ ich’s mir persönlich aussuchen können, dann wär’ ich bei Al & The Black Cats hängen geblieben. Denn dank meines kleinen Faibles für Punkmusik, liegt diese Truppe samt ihrer Live Performance exakt auf meiner Wellenlänge.
http://www.myspace.com/alandtheblackcatsusa



Aber es nutzt alles nichts, und ich bin ja musikalisch Gott sei Dank sehr aufgeschlossen und vielseitig.... - also back to the Action gegenüber, wo die holde Charlotte mit ihrem hübschen Liebreiz die Gemüter des Publikums noch mehr anpuscht. Gestern hat das Mädel lt.Info, ihren Geburtstag gefeiert, Grund also genug, um heute Abend noch eins drauf zu legen.

Gut, für alle, die mit Delain immer noch nicht soooo viel anfangen können und sofort mit dem Vergleich zu Within Temptation daher kommen, die liegen da auch gar nicht mal so verkehrt. So ist doch Delains  Taufpate Martijn Westerholt der Bruder von Robert Westerholt, der für die eben genannten Within Temptation verantwortlich zeichnet. Und ums nicht zu vernachlässigen, Martijn war ja auch mal bei letztgenannten, machte aber 2001 einen Abgang weil er an Pfeiferischen Drüsenfieber litt. Dieses Problem scheint er allerdings längst überwunden zu haben. Auch Charlotte ist von Anfang an dabei und steht ihrer Kollegin Sharon Den Adel in nicht viel nach, außer vielleicht, was die individuelle Reputation angeht.

Zwei Alben haben Delain bislang veröffentlicht. Und momentan wird an Nummer Drei gebastelt. Diese soll noch 2011 erscheinen. Auf der momentanen Tour werden aber bereits drei neue Songs vorgestellt, quasi als Test, ob jene bei den Fans auch gut ankommen. Tun sie in der Tat, das ist offensichtlich. Und somit ist der Beweis erbracht, dass es sich heutzutage auch sehr gut ohne neuen Stoff auf Tour gehen lässt. Neuzugang Gitarrist Timo hat sich ebenfalls passabel ins Gesamtgemälde eingefügt und somit ist das Mobilar komplett. Neben einen der drei neuen Tracks namens‚Manson’ gibt’s auch die bekannteren Töne wie 'Stay Forever', Invidia', und 'April Rain', um nur einige zu nennen. (Anm: leider kann ich Euch auch hier keine Setliste präsentieren. Diese wird im Falle dass.... noch nachgereicht).

Auf alle Fälle ist es Charlotte herself, die den Fokus darstellt und vor allem unseren männlichen Konzerbesuchern den Eierkopf verdreht. Und klar doch, wenn’s von Nutzen ist – warum nicht. Letztendliches Fazit des Abends ist ein durchaus gelungenes..., und jeder Liebhaber dieser metallischen Stilrichtung dürfte auf seine, bzw. ihre Kosten gekommen sein.  Tja mal schaun, ob sich Delain nunmehr tatsächlich aus dem almighty Schatten von Within Temptation lösen,- und ihre Eigenständigkeit weiter festigen können. Anspruch darauf hätten die Niederländer allemal. Punkt um.
http://site.delain.nl/


Für einen kleinen Tratsch unter Frauen war vor der Show auch noch Zeit. Und was mir Charlotte so erzählt hat, kann man anhören, wenn man aufs Foto klickt.
(Streaming Audiofile via WMP - ohne Download Zeit
Länge ca.: 10 Min. inkl.musikal.Intro)